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Was sind Leere Signifikanten?

6 Januar 2008 54 views 4 Kommentare

Ein leerer Signifikant - neuesSchon oft bin ich gefragt worden, was der Name diese denn nun bedeuten soll, was leere Signifikanten denn seien und wie das alles zusammenhängt - der Name, die dahinterstehenden Gedanken und Ideen und das was ich hier schreibe. Je nun, Zeit für eine Antwort.

Der Signifikant (das Zeichen) aber ist nicht das, wofür er steht (das Signifikat), aber er bezieht seine eigene Identität sowie seine Funktionalität daraus, dass er genau dies behauptet. Seine Identität besteht also aus der Differenz zu sich selbst und hierfür steht différance. (ZEICHEN nach Ferdinand de Saussure Link)

2.jpgEs gibt - nach dieser Aussage also zwei Modi, den Signifikanten einnehmen könnten: zum Signifikat werden, in dem es die Differenz zu sich selbst ausnutzt. Und: zum nicht-signifikant, zum (mit ) reinen Signifikanten werden, indem die Differenz eben nicht ausgenutzt werden kann, weil sie zu groß wird. Beispiele hierfür finden sich in den Objekten, die zur Bezeichnung unterschiedlicher Signifikate verwendet werden. “Osten” ist so ein Beispiel. Hier reichen die Signifikanten von Stasi bis Volkseigentum, von negativer bis positiver Freiheit. “Der Osten” ist ein leerer Signifikant, und es wimmelt nur so davon.

3.jpgIch bin ein sehr politischer Mensch, beteilige mich an der Arbeit einer politischen - und glaube dennoch, dass es im politischen oft nur darum geht, Signifikanten mit möglichst vielen Signifikaten aufzuladen, sie zu symbolisieren; Symbolpolitik zu betreiben. Das ist dann auch das erste Ziel dieses : Symbolpolitik als solche zu demaskieren, die nichtüberwindbare Differenz zwischen den bezeichneten Objekten herauszustellen. Da ich mich als dialektisch denkenden Menschen verstehe, ist die Form (die leere) der Ausgangspunkt jeder Analyse.

Der erste Signifikant ist leer, ein Nullsignifikant, reine “Form”, ein leeres Versprechen künftiger Bedeutung; und erst in einem zweiten Schritt wird der Rahmen dieses Vorgangs allmählich mit Inhalt gefüllt. (Zizek, Parallaxe, S. 212)

Da es kein richtiges Leben im Falschen gibt, fällt es mir natürlich manchmal auch schwer, mich diesem Politikstil zu entwinden. Das zweite Ziel ist es also, diese - eigene - Symbolisierungstätigkeit zu überwinden.

(bilder von mir, sie zeigen die Ruine der Bebauung am Brühl)

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4 Kommentare »

  • lars said:

    nicht zu vergessen: leere Signifikanten sind die Voraussetzung dafür, dass so etwas wie kollektive Identitäten artikuliert werden können, d.h sie sind notwendig mit der Formierung von Hegemonien verbunden.

  • ml (author) said:

    Danke für den Hinweise. Aus meiner Sicht ist das lustige hierbei, das während dieser Hegemonisierungstätigkeit der Signifikant keinesfalls gefüllt wird, eher wird er weiter entleert.

  • lars said:

    Ja hmm: Das ist doch eher eine Doppelbewegung: Ablösung des Signifikanten vom partikulären Signifikat (also Entleerung) und Aufbau einer Reihe an Äquivalenten Zeichen, d.h. weniger eine Füllung des Signifikanten als seine Einbettung in ein weiteres Signifikantengefüge, dass den einzelnen Interpreten erlaubt, diesen leeren Signifikanten mit dem jeweiligen Begehren zu füllen uznd gleichzeitig bestimmte Interpretationen auszuschließen. Hegemonie wäre dann sozusagen die diskursive Stabilisierung eines Netzes von aufeinander verweisenden Signifikanten bei gleichzeitigem Ausschluß bestimmter Interpretationen. Was gefüllt oder bestimmt wird, ist eher das Gegenüber, das Antagonistische, oder?

  • ml (author) said:

    Ja, richtig. Wie gesagt, danke :)

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