Verkehr
Vor wenigen Tagen, genauer am letzten Montag dem 02. Juni 2008, war ja der große LKW-Korso gegen die hohen Kraftstoffpreise, organisiert vom Fachverband Möbelspedition und Logistik Mitteldeutschland und den Verbänden der Taxifahrer. Man stelle sich das vor: Fahrbetriebsbetreibende und deren Angestellte organisieren einen (politischen) Streik gegen die hohen Preise von Kraftstoffen mit Hilfe einer fahrenden Demonstration. Noch ein bisschen Benzin verbrauchen erscheint mir zwar nicht als Mittel, steigert doch die erhöhte Nachfrage den Preis - zumindest, wenn man der neoliberalen Wirtschaftsdoktrin folgt.
Diese besagt auch, dass die Arbeitgeber (also die, die Ihre Arbeitskraft am Markt anbieten) möglichst flexibel sein sollten, irgendwie. Und genau um diese Frage, nämlich wo und wie die dazu offensichtlich notwendigen Kraftfahrzeuge geparkt werden sollen, genauer zur Parkplatzsituation in Schleußig, dass sich gerade noch anderen Problemen gegenüber sieht. Daraus entspann sich eine rege Leserbriefdebatte in der LVZ.
Fazit bisher: das Auto braucht der Mensch, damit er sein ganzes Zeug transportieren kann. Auch eine Interpretation von Zizeks Körperlosen Organe - in den Dingen, die ich täglich mit mir nehme materialisiert sich mein äußeres, unkontrollierbares Ich. Die “Zeug-mitnehmen-These” höre ich auch immer wieder. Warum geht das eigentlich nicht mit dem Rad - dazu ist die Stadt flach genug - oder mit der Straßenbahn. Wozu denn ein Auto. Ein Leserbrief greift dies auf, indem er ungefähr das wieder gibt. Laufen soll auch ganz gesund sein, und die letzten lokalen Läden sollten auch mal entdeckt werden. Mensch muss ja nicht gleich ins Einkaufszentrum fahren. Und in der Stadt ist alles gut zu erreichen, wie gesagt, es ist flach hier.
Und daneben ist ja EM, und während ich mir hier die Nationalhymne Österreichs anhören darf, klemmen sich wieder viele Deutsche Autofahrer Deutschlandfähnchen an die Autos. Ich habe auch schon türkisch-deutsch und andere aktuelle Kombinationen gesehen. Mir ist das alles etwas zuwider. Einerseits verbraucht es offensichtlich mehr Sprit (stand auch in der LVZ), andererseits muss man seinen auf die “deutsche” Mannschaft projezierten nationalen Hoffnungen nicht unbedingt an sein Auto hängen. Hier hängt immer noch die Fahne von 2006, die mir damals zuflog und der ich das gelbe genommen habe. Ihr wisst was ich meine. Eine Foto davon lass ich mal besser bleiben
So kommt es derzeit zu einer Kombination dieser Projektionen: das Transportding für die Materialisierung des Ichs wird mittels nationaler Projektionsfläche (”Anklemmfahne”) markiert, gleichsam vereinnahmt.
Schlagwort: Arbeiterklasse, Bier, Demonstration, Deutschland, Erkenntnis, Fußball, Leipzig, LVZ, Manifestationen, Mitteldeutschland, Politik, Selbstreferenzielles, Streik, Verkehr, Volk, Wirtschaft




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