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Verloren zwischen Übersetzungen

15 Juni 2008 54 views 2 Kommentare

Für die meisten , mit denen ich bisher Sofia Coppolas Lost in Translation (2003) angesehen habe war dies eine nette kleine Komödie über zwei , die aufgrund verschiedenster Umstände in Tokio festsitzen. Freiwilligkeit und Unfreiwilligkeit dieser Situation werden - obwohl beleuchtet - wie auf einem Möbiusband hin- und hergeschoben, Langeweile und Beschäftigung wechseln sich ab.

Da ich es gewohnt bin, über die Filme die ich gesehen habe zu diskutieren - und sich immer so wenig interessierte finden die dies teilen möchten - seien hier mal meine zwei Hauptstränge andiskutiert. Vielleicht steigt ja jemand ein.

Da wäre zum einen das Motiv: zwei , böswillige mögen diese als Touristen bezeichnen, stranden in der japanischen Hauptstadt Tokio. Beide sind konfrontiert mit der Fremdartigkeit des Fernen Ostens, können sich nicht eingewöhnen und verzweifeln daran, dass sie den Code der anderen nicht zu entschlüsseln in der Lage sind.

Ein Nebenproblem des Filmes - interessanterweise genau das, was den für viele wahrscheinlich lustig macht - ist die Zeichnung der Japaner (nur eine Frau ist dabei) als kleine, laute , die nur Party im Kopf haben, “Party” nach amerikanischem Vorbild, natürlich. Über die ökonomischen Zwänge, in denen all die Fotografen, Regisseure und all die anderen Figuren des Filmes stecken, wird nicht verhandelt. Sie werden komplett weggelassen. Die Unverständlichkeit der Handlungen der Figuren, die, beraubt ihres ökonomischen Hintergrundes, nackt sind bis auf die Charaktermasken, die sie sich täglich überziehen, diese Unverständlichkeit ist es dann vordergründig auch, was die beiden Protagonisten in der Übersetzung sich verlieren lässt.

Ein Stilmittel, sicherlich. Es soll gar nicht darum gehen, wie sich die beiden Touristen verlieren in der fremden Welt - dazu wird dies zu wenig beleuchtet. Hauptaussage - meiner Meinung nach zumindest - ist die Frage, wie allein die mit sich selbst sind, besonders wenn Sie mit Ihrem eigenen Unvermögen konfrontiert werden, sich verständlich zu machen. Dies geht in dem fast jedem Handelnden so, alle reden irgendwie aneinander vorbei, halten sich in Ihrer eigenen Sphäre gefangen und bleiben allein.

Bezeichnend dafür sind zwei Szenen, in denen die Hauptdarsteller ähnliches tun: sie führen Telefongespräche mit ihrer jeweiligen Vergangenheit. Bill Murray spricht mit seiner Frau, aber mehr mit sich selbst. Die Frau - in Ihrem eigenen Leben gefangen - hört nicht zu, dass ist auch nicht der Sinn der Telefongespräch.

Bob: I don’t know. I just want to… get healthy. I would like to start taking better care of myself. I’d like to start eating healthier - I don’t want all that pasta. I would like to start eating like Japanese food.
Lydia Harris: [icily] Well, why don’t you just stay there and you can have it every day?
Bob: [biting his tongue] How are the kids doing?
Lydia Harris: They’re fine. They miss their father.
[pause]
Lydia Harris: Do I need to worry about you, Bob?
Bob: Only if you want to.

(Quelle)

Genauso wenig wie es Ziel des Telefonanrufes von Scarlett Johannson ist, aus zu berichten. Die Angerufene hört auch in diesem Fall nicht zu, warum auch.Zwar sagt sie, dass sie sich nicht mehr zurecht findet, dass sie “nichts mehr fühlt” - aber das ist natürlich nicht an die Gegenseite gerichtet, sondern mehr an sich selbst. Konsequenterweise bricht das Gespräch an dieser Stelle denn auch ab.

In beiden Szenen handelt es sich mehr um Selbstgespräche der Handelnden, um Gespräche mit Ihrer Imagination von sich selbst. Und so sind es die beiden die sich am Schluss des Filmes auf irgend eine Weise finden, weil sie Ihre Übersetzungen von sich selbst am besten verstehen. Und sie verweisen auf die Tatsache, dass wir alle verloren sind in der Übersetzung unserer Welt in die Imagination der anderen.

Diskussion bitte :)

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2 Kommentare »

  • tenti said:

    hmm man verliert sich ja oftmals schon bei der übersetzung von sich selbst - für sich selbst…

  • ml (author) said:

    :) in deinem Blog kann ich nicht kommentieren. Und: zwischen dem von sich selbst zum für sich selbst befindet sich eben die Barriere des Imaginären, der eigenen Vorstellung des selbst. Deswegen erzählen wir auch immer nur Geschichten “über” uns anstatt “von” uns. #lacan :)

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