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frisch gelesen - archiv 2

8 Juli 2008 36 views Keine Kommentare bisher

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Die anderen sind zunächst eine (ethisch) indifferente Vielheit, und Liebe ist die gewaltsame Geste, in diese Vielheit hineinzuschneiden und eine Eins als den Nächsten zu privilegieren, was natürlich bedeutet, ein radikales Ungleichgewicht in das Ganze hineinzutragen. Im Unterschied zur Liebe fängt Gerechtigkeit da an, wo wir uns der gesichtslosen Vielen erinnern, die bei dieser Privilegierung der Eins im Schatten geblieben sind. Gerechtigkeit und Liebe sind daher strukturell inkompatibel: Die Gerechtigkeit, nicht die Liebe, muss blind sein, sie muss die privilegierte Eins, die wir “wirklich verstehen”, vernachlässigen. Das bedeutet, dass der Dritte nicht sekundär ist: Er ist immer schon da, und die vordringliche ethische Verpflichtung gilt diesem Dritten, der in der Beziehung von Angesicht zu Angesicht nicht da ist, sie gilt dem einen im Schatten, vergleichbar dem abwesenden Kind eines Liebespaares.

(, Die politische Suspension des Ethischen, 2005)

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