anderer stern II – vanity correction
Blogworte: wirres, Deutschland, Internet, wikipedia, Medien
Far out in the uncharted backwaters of the unfashionable end of the western spiral arm of the Galaxy lies a small unregarded yellow sun. Orbiting this at a distance of roughly ninety-two million miles is an utterly insignificant little blue green planet whose ape-descended life forms are so amazingly primitive that they still think digital watches are a pretty neat idea. (Douglas Adams, Hitchhikers Guide through Galaxy)
Irgendwie kommt es gerade ganz dicke. Ich dachte eigentlich vor dem Wochenende es würde ein ruhiges und arbeitsames, welches geprägt sein wird von kurzen Spaziergängen und längeren Bürosessions. Gestern abend schon wurde mir das ein bisschen zerstört als ich erfuhr das der Samstag wichtigere Dinge in sich hat, so dass ich heute nachmittag wohl einen langen Stadtteilspaziergang vor mir habe. Also vormittags Zeit für längere Lektüren und abarbeiten des Feedreaders.
Aber es kam anders, viel schlimmer. Ich hatte insgeheim gehofft, ja geträumt davon, so etwas nie schreiben zu müssen. Ich dachte, ich könnte auf die Lernfähigkeit der Menschen in wichtigen Ämtern vertrauen, nachdem das mit Katina Schubert und Wikipedia damals war. Damals schrieb ich:
Bleibt zu hoffen, (…) das sich wenigstens unsere (Partei-)Menschen in Zukunft informieren. Die Links gehen leider nicht mehr weg (was auch sehr zynisch ist, schließlich sind wir doch die Linkspartei *scnr*).
Zu früh gefreut, denn heute lese ich bei Funkfeuer:
Heute ist die deutschsprachige Wikipedia unter der Adresse http://wikipedia.de/ nicht mehr zu erreichen. Wer Zugriff auf die deutschsprachigen Inhalte haben will, muss unter der Adresse http://de.wikipedia.org auf die Internet-Enzyklopädie zugreigen.
Was die eigentliche Tragik gleich zu Anfang offenbart. Zum einen halte ich es generell für schwierig bis aussichtslos, gegen ein Communityprojekt wie Wikipedia vorzugehen, noch dazu gegen den Eintrag über sich selbst. Andererseits ist es natürlich nicht so clever, nur wikipedia.de abklemmen zu lassen – gegen die .org Domain vorzugehen ist aber auch ungleich schwieriger. Aber das macht die einstweilige Verfügung nur lächerlicher. Tragik. Farce. Das allbekannte und wahrscheinlich ausgelutschte Marxzitat lasse ich an der Stelle weg.
In der Blogospähre stößt das Vorgehen Heilmanns auf zum Teil erhebliches Unverständnis. Gerade seine Mitgliedschaft bei der Partei “Die Linke” wird dabei kritisch hervorgehoben.
Und hier liegt das Problem. Ist zwar nicht wichtig, weil das Thema vorbeigehen wird wie so viele. Aber mangelnde Medienkompetenz bleibt haften, und die Forderung nach weniger Überwachung, mehr Datenselbstbestimmung und der Kampf für emanzipatorisches Handeln des Einzelnen, der wird dadurch kontakariert. Der Ruf, dies sei ja Zensur, ist natürlich falsch – weil es Zensur in Zeiten des öffentlichen Netzes einfach nicht mehr gibt, dies ist das Beste Beispiel und eigentlich auch das gute daran. Alles andere ist Dummheit, aus meiner Sicht, allein der Versuch. Dummheit, die ich natürlich Lutz Heilmann nie vorwerfen würde. Zu Dummheiten sind auch intelligente Menschen durchaus fähig.
Und weil es so schön ist und ich befürchte das ich die 2007 angesprochene Medienkompetenz selbst lehren muss, hier zwei zentrale Aussagen aus einer Präsentation bei Slideshare zum Thema What The Fuck is Social Media, die sich Herr Heilmann und alle anderen bitte ins Büro hängen:
1. In 2008 if you’re not on a social networking site, you’re not on the internet.
2. Don’t fuck with People!
Ich für meinen Teil habe solang mal Geld an den Wikimedia Deutschland e.V. gespendet, um die entstehenden Kosten zu decken.
Links:
Die Welt ist Scheiße
ZweiPunktNull
Funkfeuer
Spreeblick zum Thema
Markweitere bei Rivva





15. November 2008 um 14:06 Uhr
leipzig_blogs (leipzigblogs.de) sagt,
Leere Signifikanten » anderer stern II – vanity correction: Aber mangelnde Medienkompetenz bleibt h.. http://tinyurl.com/5w9qkn
15. November 2008 um 17:24 Uhr
leipzigblogs (leipzigblogs) sagt,
anderer stern II – vanity correction: Aber mangelnde Medienkompetenz bleibt haften, und die Forderun.. http://tinyurl.com/5w9qkn
15. November 2008 um 19:20 Uhr
King Balance sagt,
Links-Politik läuft zur Hochform auf!!!
Es mag ja durchaus sein das dem vermutlichen Stasimitarbeiter Lutz Heilmann bitter Unrecht getan wird, wenn behautet wird, dass er ein Stasimitarbeiter gewesen sei. Jemand der als Antwort auf ein mögliches Unrecht nur Zensur kennt, erklärt sich damit schon mal für schuldig. Zumal er gegen den völlig Falschen klagt. Was den Schaden anbetrifft den er als Bundestagsabgeordneter seiner Partei zugefügt hat, so sollte er dafür öffentlich zur Rechenschaft gezogen werden. Daß die Richter wieder einmal total überzogen haben in ihrem Urteil, steht freilich außer Frage.
15. November 2008 um 19:34 Uhr
ml sagt,
Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle, die jetzt die eine oder andere Email zum Thema beantworten müssen und in den verschiedenen Blogs Diskussion verfolgen, und die ganzen Menschen die das sonst so tun, die werden es ihm danken, eines Tages.
Das löst aber nicht das Grundsätzliche Problem, dass nicht nur Menschen der Linkspartei haben: wie umgehen mit partizipativen Medien. Was ist das mit diesem Netz2.0, wie funktioniert es. Und vor allem: kann ich mich damit messen. Die Antwort sollte klar NEIN sein, mitmachen ist gefragt, nicht opponieren. Gerade der Linkspartei sollte das eigentlich klar sein, aber das ist schon wieder ein anderes Feld. Anderer Stern manchmal, wie geschrieben
12. Dezember 2008 um 21:51 Uhr
Solaris Post sagt,
Du meinst:
“Das löst aber nicht das Grundsätzliche Problem, dass nicht nur Menschen der Linkspartei haben: wie umgehen mit partizipativen Medien…. mitmachen ist gefragt, nicht opponieren.”
Das Netz ist kein Selbstzweck, vielleicht Spielzeug oder Droge für den einen oder anderen, wo es doch nur Werkzeug sein müsste.
Aber vermutlich hindert es die Leute auch noch am Nachdenken,
am Zurückschauen, am Reflektieren, es ist ein anthropologisches
schwarzes Loch, ein psycho-physisches Unding.
Wqas also tun. Jedes/r seine Blog und Webseiten für die Eitelkeit
zwischendurch? Auch damit ist kein Problem dieser Zeit/Welt gelöst.
Hätte die Linke nicht ihren antifaschistischen Minimalkonsens, sähe
es verdammt trüb in der suppe aus. Schein und Sein.
Michi, hast du dir schon mal überlegt, wieviel Leute von den 50-60
Mio Lesefähigen in dem Land, linke Medien regelmäßig konsumieren.
Zähle mal die Auflagen, du kommst auf 2-3 hunderttausend, dann die Internetaufrufe von linken Seiten nochmal paar hunderttausend – und das ist verdammt hoch geschätzt (jungewelt hat ca. 30 tsd täglich)
Also insgesamt max. zwischen 1-3% !
1-3% aller bundesdeutschen Medienkonsumenten!
hier gäbe es für die “moderne Linke” was zu tun.
Und nun weiter im Text(nochmal weil: doppelt agitiert es sich besser):
Die größte Privatisierungsorgie der Menschheitsgeschichte war der Ausverkauf einer ganzen Volkswirtschaft – der DDR.
Das angeblich alternativlose an dem Vorgang der Selbstauflösung der DDR, mit den zwangsläufigne Verstößen gegen das Demokratieprinzip und gegen rechtstaatliche Grundsätze, wurden mit der angeblichen Wirtschaftspleite, dem Machtverlust der Staatspartei und dem Machtvakuum der Verwaltung/Exekutive der DDR begründet. Es ist natürlich heute klar, dass jeder (basis-)demokratische Prozess verhindert werden sollte, eben durch die beschleunigte Entwicklung.
Formen von politischen Extremismus lassen sich heute in dem Verfahren zur Durchsetzung der EU -Verfasung/Lissabon Vertrag genau so festmachen, wie an der Bombardierung Jugoslawiens, Afghanistans, dem “Krieg gegen den Terror” sowie in dem Zustandekommen, Absichten und den Auswirkungen der Hartz-Gesetze. Das sollte eigentlich Konsens unter den linken Strömungen sein. In jedem dieser Fälle sind mindestens der Geist des Grundgesetzes, die UN-Charta, die UN-Menschenrechtserklärung von 1948 verletzt worden und die Verfahren absichtlich intransparent und undemokratisch gestaltet worden.
Zur Verständnis ein Zitat aus dem Buch von Naomi Klein:
“Der damalige [polnische]Finanzminister Balcerowicz hat inzwischen zugegeben, dass die Ausnutzung der Notsituation voll beabsichtigt gewesen war und wie alle Schocktaktiken dazu diente, Widerstände beiseitezuräumen. Er erklärte, er habe eine Politik durchsetzen können, die sowohl vom Inhalt als auch von der Form her das Gegenteil der Solidarnosc-Vision war, weil Polen sich damals in einem, wie er es nannte , politischen Ausnahmezustand befunden habe. Er beschrieb diesen Zustand als kurzfristiges Fenster, in dem die Regeln „normaler Politik“ (Beratungen, Diskussionen, Debatten….) nicht gelten – anders ausgedrückt: eine demokratiefreie Nische innerhalb einer Demokratie.”
(aus: Naomi Klein, Die Schock-Strategie, 2007, S. 252-253)
Und hier einige Kommentare zum Extremismusbegriff, der meiner Ansicht nach von den Linken offensiver gewendet werden
sollte, gegen den real existierenden politischen Extremismus des Macht-Geld-Apparates.
http://www.linke-bildung-kultur.de/index.php/archives/2008/12/09/instrumentalisierungen-oder-prof-jesses-extrem-gleichungen/#comment-29943
Viele Grüße
Solaris