1. Ich war ja von Anfang an dagegen. Meine Aussage, die Linke brächte ein Messer zu einer Schießerei hat sich bewahrheitet. Jetzt liegen sie da, die Wahlfrauen, angeschlagen. Die, die es zu wissen glaubten sind sauer bis beleidigt, das die Linke den Geschichtsklitterer nicht mitgewählt hat. Dabei hätte das eh nichts gebracht, zumindest nicht im dritten Wahlgang. Zu wenig Bewegung, so der Vorwurf, frau hätte doch springen können. Jedoch: ist nicht mehr Ehrlichkeit und Bewegung darin offen anzusagen, die Abstimmung sei freigegeben? Und ist es nicht dann auch ehrlicher die Kritik abtropfen zu lassen? Wer hat denn hier im ersten Wahlgang seine Kandidatin nicht gewählt? Ich habe immer schon ein Problem damit gehabt, Menschen nicht selbst zu wählen. Jede Bundespräsidentin bisher war nicht die meine. Wenn ich nicht die Möglichkeit habe, dagegen zu stimmen oder meine Wahl ungültig zu machen, ist es nicht meine Wahl. Ist die gewählte nicht mein Repräsentant. War Herzog nicht, war Rau nicht. Köhler schon gar nicht, mit Sparkassendirektoren hatte ich es noch nie so.

2. Nun sind die Gesetze aber wie sie sind im Moment, die Bundespräsidentin wird nicht vom Volk gewählt, hat entsprechend viel oder wenig zu sagen und ist entsprechend unwichtig. Jedoch: nicht an der Bundesversammlung teilzunehmen hätte ebenso wenig gebracht wie es gebracht hat, eine eigene Kandidatin aufzustellen. Sie war das Messer. In eine so schlechten taktischen Position das Spielchen mit zu spielen und sehenden Auges in diese Situation zu gehen hat zwar etwas mutiges, allerdings wäre es aus meiner Sicht standhafter gewesen, sich dem komplett zu entziehen. Keine Kandidatin, komplett enthalten. Hätte auch 3 Wahlgänge und den gleichen Spaß gebracht, den sich jetzt viele daraus machen indem sie auf Die Linke einschlagen als gäbe es kein morgen. Rot-Rot-Grünes Projekt? Das wäre im Saarland oder in Nordrhein-Westfalen viel Bürgernäher umzusetzen gewesen als mit einem Grüßaugust von rechts.

3. Sich mit Gauck von der DDR distanzieren? Jemand wählen, dessen Leben sich dermaßen an der DDR hochzieht ausgerechnet als Symbolfigur für die Überwindung der DDR Geschichte herzunehmen zeugt nur davon, dass alle Parteien Deutschlands in Bezug auf die jüngere Geschichte noch Ihr 1968 brauchen, gerade die SPD und die CDU. Wer hat denn die DDR 20 Jahre lang am Leben gehalten – die DDR? Ostpolitik und Westkredite mögen dazu beigetragen haben, dass die Verhältnisse in der DDR besser (!) wurden – jedoch nur für einige Funktionäre. Ein paar davon kenne ich noch. Sie sind heute nicht in der Linken. Aber in der CDU oder ihr nahestehenden Vereinigungen.

4. Der Linken immer wieder vorzuwerfen, sie sei die alte SED, sie sei noch nicht in der Bundesrepublik angekommen ist nicht nur etwas einfältig. Es spiegelt auch die Tatsache wieder, das man sich nicht mit Ihr auseinandersetzt. In der Bundestagsfraktioin sind mehr Abgeordnete aus Westdeutschland als jemals zuvor, die Landesverbände West werden über kurz oder lang andere Mitgliederzahlen haben als heute. Bald schon wird die Linke in allen oder zumindest den meisten Landesparlamenten sitzen. Die Zusammensetzung der Partei hat sich in den letzten 4 Jahren deutlich verändert. Alte Stasiseilschaften? Alte Funktionäre? Sicher, gibt es noch. Aber auch hier gilt: ich habe 1989 / 1990 mehr Menschen in andere Parteien gehen sehen als man sich das heute eingestehen will. Der Kreisreferent aus Kamenz ist jetzt Landesverweser Sachsens. Tolle Karriere.

Aus einem Facebook-Kommentar, der nicht verloren gehen soll:

Es ist doch deutlich radikaler, die Position des Antinationalisten total einzunehmen als sie nur umzukehren und auf eine bestimmte Nation zu projezieren. Oder: was ist jetzt an der englischen, französischen oder, mit Verlaub, israelischen Nationalidentitätseuphorie besser als an der deutschen, Geschichte hin oder her.
Für mich hat Fußball nichts mit Nationalismus zu tun. Die einzige Kritik, die geübt werden muss ist die an den homophoben Zuständen in den Teams, am versteckten Rassismus der Spieler, Verantwortlichen, Kommentatoren, an faschistischen Umtrieben der sogenannten Fans.
Dort noch den Schleier der Nation („wir“) draufzulegen ist genau der Fehler, den der fahnentragende Prolet macht – egal welche Fahne er gerade schwenkt. Gerade dieser Schleier ist es, der die ganzen sogenannten Fans wegschauen lässt von den Übeln der Welt, denn „wir“ oder „die“ haben ja gewonnen. Am Ende scheint es – der Presse nach – nur darum zu gehen, welche der beiden Regierungen ihr Sparpaket einfacher umsetzen kann, die britische oder die deutsche.
Was den spezifisch-deutschen Nationalismus angeht, gebe ich dir recht, dieser ist im hier besonders zu bekämpfen. Allerdings glaube ich nicht mehr, das er sich von einem spezifisch englischen, französischen oder italienischen Rassismus unterscheidet, im Gegenteil. Und das führt mich zu dem Urteil, das _jeder_ Nationalismus ein falscher Ansatz ist, deswegen verbitte ich mir bei Fußballschauen jeden Nationalbezug, schwarz-rot-gold, rot-weiß oder rot-weiß-blau – egal. Nationalismus stinkt in jedem Land.
Anders:
Jede, die sich hinstellt und sagt, es ginge wir gegen die, die oder die, „wir“ mögen doch bitteschön gewinnen, begeht doch schon den Fehler, eine spezifische Nation zu überhöhen.
Wir reden nochmal in 4 jahren, wenn sich hoffentlich Israel für die WM qualifiziert. Bis dahin merken: nicht jede These ist eine Antithese.

Radikale Änderungen entwickeln sich immer in Sturm und so waren die letzten Monate auch wie ein Sturm für mich, weswegen ich nicht schreiben konnte. Irgendwann kamen hier technische Probleme dazu, aber diese sind jetzt gelöst. Ich habe die Zeit genutzt und hier etwas ausgeforstet, meine delicious-links aufgeräumt und die entsprechenden Artikel gelöscht. Einige Links gingen sowieso nicht mehr.

Hier wird es etwas ernster weiter gehen. Texte zu Büchern die ich gelesen habe, Filme die ich gesehen und Gespräche, sich ereignet haben. Meine derzeitige Begeisterung wird sich hier sicherlich auch niederschlagen: Podcasts hören zu den Themen, die hier auch schon immer angeklungen sind. Vielleicht sind euch die pösen Winkelemente an der Seite aufgefallen und andere – linkmäßige – Veränderungen.

Das alte ist alt. Es ist – aufgrund eines Problems mit der Datenbank – auch noch verunstaltet. Aber erhalten. Einem Archäologen gleich wühle ich mich durch meinen Output der letzten zwei Jahre, mit feinem Besen werde ich die Fehlerchen entfernen, einem Museum gleich wird das Beste aus den Jahren 2006 – 2009 hier dargestellt werden.

Vielleicht bin ich bis zum fünften Geburtstag des Blogs dann auch fertig.

Kommentare und Trackbacks… weg 🙂