Wo aber die ekelhaften Zutaten typisch mittelalterlicher Zustände (…) ins rebellische Programm eingekocht werden, ist keine Hoffnung.
Dietmar Dath, Maschinenwinter (2008)

Als Atheist sind mir religiöse Rituale fremd, ob es nun Sakrament wie Taufen (bei Christen) oder Hochzeiten sind, ritualhafte Messen und Feiern oder Initiationsriten. Zusätzlich kann ich wenig mit der zwangsweise durchgeführten Initiation von Kindern wenig anfangen, wie sie in vielen Religionen durchgeführt werden.  Religion, Glaube sollte selbst gewählt sein. Einige Fanatiker sehen das natürlich anders:

Ich meine, die Religionsfreiheit bedeutet natürlich mehr als das körperliche Wohlbefinden. (quelle)

Circumsion - schematische DarstellungDie Religionsfreiheit der Eltern wird davon meines Erachtens nach nicht berührt, ob ihr Kinder nach der gewählten Religion initiiert sind. Diese können ja gerne evangelisch-katholisch-mohammedanisch-jüdisch-wasauchimmer sein, ihr Kind entsprechend erziehen und es dann selbst entscheiden lassen, ob es der Religionsgemeinschaft beitreten möchte.

Es gibt sowohl evangelische, katholische, jüdische und mohammedanische Religionsgemeinschaften, die erst später die Kinder vor die Wahl stellen.

Wer sich länger mit dem Thema Beschneidung von Jungen auseinandersetzen möchte, dem seien die folgenden Texte empfohlen.:

Wie körperlich schlimm oder sogar physisch verletzend diese Prozedur sein kann lässt sich in diesem Artikel aus der tageszeitung nachempfinden: Beschneidungen und andere Traumata.

Thomas Stadler geht noch einmal auf rechtliche Aspekte ein und kommt zu folgendem Schluss:

Und genau an diesem Punkt kann und muss nun eine Rechtsgüterabwägung vorgenommen werden. Es stehen sich hier die Religionsfreiheit (der Eltern) auf der einen und das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und die Wahrung des Kindeswohls auf der anderen Seite gegenüber. Wenn man an dieser Stelle einen Vorrang der (religiösen) Tradition postuliert, dann wird man künftig nicht mehr plausibel erklären können, warum nicht auch das Züchtigungsrecht der Eltern, der religiös motivierte Abbruch einer ärztlichen Heilbehandlung oder beliebige Verletzungen der körperlichen Integrität eines Kindes einen Rechtfertigungsgrund bilden können. Eine Gesellschaft, die bereits eine gewöhnliche Ohrfeige nicht mehr als vom Erziehungsrecht der Eltern gedeckt ansieht, kann schwerlich eine Beschneidung eines Säuglings oder Kleinkindes – ohne medizinische Indikation – für gerechtfertigt halten.
Quelle: http://www.internet-law.de/2012/07/die-beschneidung-des-rechtsstaats.html

(M)Ein Fazit:

Vor die Wahl gestellt, einen religiösen Brauch zu schützen oder das Recht nicht einwilligungsfähiger Kinder auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung, hat sich das Kölner Landgericht für Letzteres entschieden. Dies kann und sollte auch von Verfechtern der Religionsfreiheit akzeptiert werden.
Quelle: Scharfe Klingen – stumpfe Logik (Humanistischer Pressedienst)

Ohne medizinische Indikation keine Beschneidung, ohne Freiwilligkeit keine Religionszugehörigkeit, oder, um @moeffju das Wort zu lassen:

Daher: adé Alice Schwarzer, von den Grünen habe ich mich ja schon länger verabschiedet.

Wie das besser geht, zeigt Die Linksfraktion in Gestalt Ihres religionspolitischen Sprechers, Raju Sharma:

Wie es anders gehen kann, zeigen jüdische Gemeinden in Großbritannien. Dort wird das religiös geforderte frühkindliche Ritual der Beschneidung ins Schmerzlos-Symbolische verschoben und die Entscheidung über den tatsächlichen Eingriff dem Betroffenen selbst überlassen, wenn er als Jugendlicher selbst einwilligungsfähig ist.
Quelle: „Keine Bagatellgrenze für religiös motivierte Körperverletzung

Weitere Artikel zum Thema:

Phimose-Info mit einem längeren Text zum Thema.
ein Gastbeitrag des Kinderschutzbundes bei Mogis
Dem Schluß kann ich nicht folgen, der Argumentation schon. (Ivo Bosic, Jungle World)

 

In einem längeren Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt der derzeitige politische Geschäftsführer der Piratenpartei seine Probleme mit dem Arbeitsamt und seinem Ehrenamt, seiner Beschäftigung. Fazit: das Amt setzt Ihn unter Druck, sperrt seine Leistungen, überprüft unter fadenscheinigen Gründen, bestellt Ihn ein …

Antworten lassen nicht lange auf sich warten.

Anyway, ich halte es immer noch für falsch, dem Druck des Amtes nachzugeben und genau das zu machen, was die Menschen dort wollen: das sich die  „Leistungsempfänger“ gefälligst aus der Arbeitslosenstatistik entfernen oder wenigsten schweigend die Unmenschlichkeiten ertragen. Umgekehrt, wenn es schon keine Bezahlung für den politischen Geschäftsführer gibt, würde ein Schuh draus werden: Nerven haben. Dem Amt auf den S*ck gehen. Druck machen. Und vor allem: sich auskennen!

Denn, auch das schreibt Ponader:

„Die Jobcenter teilen ihre Kunden in mehrere Kohorten ein: arbeitsmarktnah, arbeitsmarktfern, nicht vermittelbar. Doch es gibt auch eine inoffizielle Kategorie: Kunden, die ihre Rechte kennen. Sie kommen oft zu zweit aufs Amt, begleiten sich gegenseitig. Insider berichten, das seien etwa zwei Prozent der Kunden. „Wären es fünf bis zehn Prozent“, so ein Insider, „könnten wir einpacken“.
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ein-pirat-zieht-sich-zurueck-ich-gehe-mein-ruecktritt-vom-amt-11809930.html

Was wäre das gewesen. Ein politischer Geschäftsführer im Streit mit dem Amt. So viele Betroffene hätten sich in den Erlebnissen wieder finden können, wie ein Finger in der Wunde hätte Ponader bohren können, Öffentlichkeit wäre ihm sicher gewesen. Jedoch,

Nun ist ein Sprung ins Ungewisse angesagt, wie ihn viele gehen, die die Gängelung durch die Jobcenter nicht mehr ertragen und freiwillig auf Sozialleistungen verzichten. Ich verlasse das Amt, um frei zu sein. Das Arbeitsamt.
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ein-pirat-zieht-sich-zurueck-ich-gehe-mein-ruecktritt-vom-amt-11809930.html

So ist’s dem Amt denn wohl auch recht. Ein „Arbeitsloser“ weniger in der Statistik. Noch dazu einer, der seine Rechte kennt. Wahrscheinlich sogar dauerhaft.