Ich bin ich, mein Kind ist mein Kind, wir sind zwei verschiedene Menschen. Mir wurde diese Verschiedenheit nie so deutlich vor  Augen geführt wie bei diesem Wesen, welches wir irgendwie mit einplanen müssen, das überall eine Rolle spielt – und das immer (mehr) auch einen eigenen Kopf hat. Der nicht unbedingt mit unseren Planungen zusammen passen muss.
Kinder

Als das Leben noch so vor sich hinlief und ich  nur für mich allein zählte, waren Termine und Absprachen so eine Sache. Alles konnte auch mal warten, ein schöner Sommertag (oder eine knifflige Aufgabe am Rechner) konnten wichtiger sein als Verabredungen, andere Menschen, Duschen. Das geht jetzt aus mehreren Gründen nicht mehr. Einem Kind anzukündigen, zu einem Ort oder einer Verabredung zu gehen, und es dann nicht zu machen erfordert viel Überzeugungskunst. Besonders wenn die Gründe nur vorgeschoben sind. Mit ‚Warum‘ beginnen die gefürchtetsten Fragen überhaupt. Wenn man anderen gegenüber konsequent sein will, muss man bei sich anfangen.

Wenn mir jemand vor drei Jahren erzählt hätte, ich würde freiwillig morgens aufstehen, hätte ich genauso gelacht wie über die Erzählung, ich würde regelmäßig laufen gehen. Beides mache ich, aus dem gleichen Grund: Ruhe. Morgens ist es ruhig. Kein Kind. Keine Freundin, keine Autos auf den Straßen, selbst das Radioprogramm ist noch gedämpft. Und wenn es nach dem Aufstehen schon ruhig ist, im Wald ist es noch ruhiger. Ich mag diese eine Stunde für mich und stehe früh auf. Konsequenterweise auch am Wochenende.

Überhaupt, Ruhe. Ich werde gelegentlich als ruhig und geduldig beschrieben, manche Menschen können sich nicht vorstellen, das ich auch mal Laut werden kann. Kann ich, das habe ich gemerkt. Auch Ungeduld ist möglich, wenn dir ein Kind ernsthaft zum zwanzigsten Mal erklärt, das es die Zähne nicht putzen will. In mir schlummert ein aggressives, lautes Monster. Es gefällt mir nicht. Ich habe gelernt damit zu leben. Und manchmal unruhig, laut und ungeduldig zu sein.

Trotzdem muss Geduld die Maßgabe sein. Immerhin entsteht der Geist erst, es wäre wahnsinnig zu erwarten das alles schon verständlich wäre, wo es das doch nicht mal für die Erwachsenen so einfach ist. Im richtigen Moment, besonders wenn es für die Kleine stressig wird, wirkt Geduld wunder. Schließlich schaut sich das Kind ab, wie es in Situationen reagieren kann. Ich merkte recht schnell: wenn ich hektisch werde, wird es das Kind. Was bei mir aus Ungeduld nicht klappt und zum Fluchen verleitet, führt beim Kind zu bitteren Tränen.

Es gibt nichts schöneres, als einem Kind beim Spielen zuzuschauen. Wenn Tiere und Figuren erstmals sprechen, miteinander, und die Phantasie dazu führt, das diese Figuren Handlungen ausführen. Ich habe mich geärgert, als die Giraffe das Känguruh zum ersten Mal zum Arbeiten gehen verabschiedet hat. Und mit der Kleinen geweint, als der Bär krank war. Und freue mich jedes Mal für sie, wenn die Roboter auf den Autos herumfahren. Mitspielen ist auch gut, aber da bin ich als „Großer“ immer schnell fehl am Platz, da ich die Dinge schon mit anderen Augen sehe.

Medizin nehmen ist doof. Krankheit scheint für Kinder etwas völlig undenkbares, nur die Momente der Schwäche führen zur Einsicht. Eine Art unverständlicher Ausnahmezustand. Nun scheint sich der Geschmack von Medizin in den letzten Jahren deutlich gebessert zu haben, zumindest haben wir hier verschiedenste Flaschen mit allerlei Geschmacksrichtungen stehen: Erdbeer, Orange, … Ich kann mich aus meiner Kindheit nur an eines erinnern: bitter.

Alle Menschen sind unterschiedlich, auch Kinder. Diskussion mit anderen Menschen über Kindererziehung, die Probleme und Fragen sollten das im Blick behalten, sonst passiert es leicht das man sich vergleicht. Menschen zu vergleichen ist an sich blöde, Kinder zu vergleichen führt zu Druck auf sich und das Kind, beides Dinge, die man nicht haben kann. Darauf sollte ich mehr achten.

Liebe ist etwas natürliches. Wenn Liebe zwischen zwei Menschen entstehen kann, die von Anfang an alles von sich gesehen haben und damit natürlich umgehen, dann kann Liebe nur natürlich und universell sein. Es gibt keinen Unterschied zwischen Kindern, Menschen. Gleichzeitig ist Liebe nicht auf diese zwei Menschen beschränkt.

Geduld

Ich vermisse meine eigene Kindheit. Nicht den ideologischen Druck, der an mir (als Kind) wahrscheinlich spurloser vorbei gegangen ist, als das die aktuellen Debatten erscheinen lassen. Und ich bin meinen Eltern dankbar, das sie mich so ausgehalten haben wie ich jetzt die Kinder aushalten muss. Im positiven Sinne.


PS: Das war so schön bisher, das machen wir gleich noch einmal. Der nächste Freilandversuch startet im August, dann mit einem biologisch-männlichen Exemplar.

In ein gefülltes Fußballstadion zu gehen ist in Leipzig ja leider immer noch etwas besonderes. Ein Grund mehr für kleinen Reisen und Besuche, die sich immer auch mit Ligaspielen in Verbindung bringen lassen. In der abgelaufenen Saison hatte ich zwei all die Gelegenheit.

Am dreißigsten Spieltag war ich für einen Tag in Dortmund, nur um dort den BVB zu sehen. Die Stimmung im Stadion dort war schon bei meinem letzten Besuch großartig. Mit 30.000 Menschen mehr im Stadion ist aber noch mehr los, es ist noch lauter. Ligatechnisch waren an diesem Tag schon alle Messen gelesen, doch das Erlebnis war trotzdem sehr schön. (Der BVB wurde in der 50. Bundesligasaison zweiter).

Die gelbe Wand

Blick von der Haupt- auf die Südtribüne


Nur zwei Wochen später führten mich meine Wege wieder in ein Stadion des Ruhrgebietes, dieses mal  zum kleinen Nachbarn nach Bochum.

Panorama ReWirPower-Stadion

Dort konnte ich erleben, wie sich ein Aufstiegsaspirant die letzte Chance verspielte, ein Abstiegssaspirant seine Rettung feierte, Menschen Fake-Schnurrbärte tragen um dem Trainer zu huldigen. Immer noch wird dort vor den Spielen Grönemeyers Stadt-Hymne performt, aus zwanzigtausend Kehlen. Immer noch sehr schön. Der VFL Bochum ist am Ende doch nicht abgestiegen. Köln ist nicht aufgestiegen. Die zweite Liga ist noch keine 50 Jahre alt.


Ein Wehrmutstropfen bleibt nach dieser wunderschönen Saison, 90elf. Das (bisher) beste Fußballradio muss seine Übertragungen der Erst- und Zweitligaspiele einstellen, Lizenz verloren. Vor 90elf gab es nicht mal eine Lizenz. Adè, ihr schönen Nachmittage mit Konni Winkler und all den anderen, adè aller Sachverstand. Willkommen, schnöder Mammon.


iron-blogger-leipzig

Warum ich all das schreibe? In Leipzig gibt es die IronBlogger. Da bin ich doch dabei. Ich hatte schon seit längerem nach einer Motivation gesucht, mehr zu schreiben. Wenn es denn eine externe sein soll, bitte sehr.  Wer noch mitmachen will, kann sich hier informieren.


Wir lesen uns jetzt wieder öfter, versprochen. Oder trinken Bier, gemeinsam.

Angesichts der niedrigen Blogfrequenz der letzten Jahre ist das natürlich ein etwas irreführender Titel. Das Archiv habe ich auch noch nicht wieder hergestellt.

Vielleicht braucht es eine externe Motivation, mehr zu tun.

Die gibt es jetzt.

Thomas Gigold will Ironblogging nach Leipzig bringen. Ich bin mal dabei!

In Zukunft also wieder mehr Text oder wenigstens einen Grund zum trinken.