Meinen Vater gesehen. Heute. Und ja, es ist schlimm. Nehmt all eure Kraft zusammen, wenn  ihr diesen Weg gehen müsst.

Vor wenigen Monaten, als ich das letzte Mal meine Heimatstadt besucht habe, nahm mich mein Vater zur Seite. Gerade hatte ich der älteren Tochter ein Märchen erzählt. Er saß dabei und atmete tief durch die Sauerstoffmaske, die er wegen seiner COPD-Erkrankung tragen musste. Er sagte, er müsse mir noch ein Geschenk machen, hier und jetzt, kramte in einer alten Kiste und zog ein Buch heraus, an dem der Zahn der Zeit offensichtlich schon genagt hatte. Es war sein altes Märchenbuch, aus dem ihm als Kind vorgelesen wurde.

Ein paar Seiten fehlten, an einigen Stellen waren mit Bleistift Zeichnungen hinterlassen. Grimms Hausmärchen. Ich habe es nicht übers Herz gebracht ihm zu sagen, das ich diese schon habe und dem Kind regelmäßig daraus vorlese, so erstaunt war ich von dem Geschenk. Es ist das einzige Buch, das er mir geschenkt hat. Ich glaube, bei den meisten Geschenken die ich erhalten habe, hatte meine Mutter das sagen. Ich weiß nicht, ob ich mich so bedankt habe, wie er sich das gedacht hatte.

Einige der Märchen, die die Gebrüder Grimm da eingesammelt haben, lassen sich so lesen: trenne dich von etwas, das dein altes Leben bestimmt hat (Dünkel, Ekel, Lieb gewonnenes…) und etwas neues wird in dein Leben kommen, das potentiell besser ist. Oder wenigstens anders. Oder umgedreht: etwas Neues kommt in den Leben, etwas Altes verlässt dich.

Mein Vater starb am Montag Abends. Keine 6 Stunden, nachdem ich die Geburt meines eigenen Sohnes erleben durfte. Jetzt blicke ich in die blauen Augen meiner Familie und kann meinen Vater darin sehen.

Kurz vor dem Abflug ins Krankenhaus würde ich gern noch am Blog herumbasteln, so das alles wieder so funktioniert, wie ich das gewohnt war. Leider klappt das mit dem Import nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe, aber das wird hoffentlich bald.

Da ich immer wieder den Drang habe, über meine Lauferlebnisse zu bloggen, baue ich etwas entsprechendes :). Bald. Bis dahin kann der geneigte Leser schon mal hier schauen, wo die Reise hingeht.

Nächste Aufgaben: alles wieder herstellen, Tumblr-Klon aufsetzen.

Das Hosting dieser Seite  geht jetzt übrigens via uberspace.de, deren Service ich nur empfehlen kann.

Verschiedene Umstände zwingen mich, hier von vorne zu Beginnen. Ist ja nicht das erste Mal.

Viel zu tun. Und nebenbei zu bloggen.

Und aufzuräumen.

Rise so high, yet so far to fall.

Politik war immer ein Thema. Es begann 1989, wurde 1991 / 1992 schlimmer, steigerte sich bis zum Beginn des neuen Jahrtausend, und nahm dann nach und nach ab. Es war so sehr Thema, dass wir Jugendlichen irgendwann das Verbot bekamen bei Familienfeiern politisch mit zu diskutieren, weil wir aus pubertären Gründen zum Überspitzen neigten, was für Aufregungen sorgte. Das wiederum ist angesichts der Ereignisse in meiner frühen Jugend nicht weiter verwunderlich. Ein Land war untergegangen, weil die Erwachsenen beschlossen hatten, das alles was sie uns vorher als richtig erklärt haben plötzlich falsch ist. Für zwölfjährige sehr spannend. Im neuen Land war dann alles so, wie es uns vorher erklärt wurde (jaja, Ideologie), wie wir es annahmen, wie selbst die Altvorderen es unter der Hand zugaben. Nur öffentlich wurde anderes gesagt. Bei solchen Vorbildern musste man politisch werden.

A plan of dignity and balance for all.

1992 kam ich nach Hof in Oberfranken in die Schule (ganz freiwillig) und verließ damit zumindest tagsüber Plauen. Es war ein anderer Mikro- und Makrokosmos, der mich prägte als der, in dem ich aufwuchs und lernte. Die Städte Franken waren noch die „rote Ecke“ Bayerns, dominiert von traditionellen Sozialdemokraten und Arbeiterinnenkultur. Meine Lehrer waren Sozialdemokraten, zumindest die Vorbilder unter Ihnen. 1996, mit Beginn meiner Lehre, wurde ich ganz selbstverständlich Mitglied der SPD, auch wenn diese damals schon nurmehr ein Abbild dessen war, was sie in ihrer Geschichte darstellte. Es war nett bei den Jusos, bald unternahm ich meine ersten Schritte in bayerischer Landespolitik. Das mag jetzt hochtrabend klingen, weil viel auch Selbstbeweihräucherung war, aber hey, wir haben über Schulpolitik geredet, Aktionen gegen Faschisten unternommen (nicht ansatzweise so gehaltvoll wie in späteren Jahren, kreative Aktionsformen zogen gern auch Diskussionen über Radikalität und die FDGO nach sich), Marx und Keynes studiert – was mensch halt bei den Jusos so treibt, wenn mensch sich treiben lassen kann.

Political breakthrough, euphoria’s high.

Schon 1995 hatte ich mein politisches Erweckungserlebniss, es verfolgt mich seitdem in Form von Oskar Lafontaine. 1999 wechselte ich zur damaligen PDS, die dann erst zur Linkspartei, dann zu Die Linke. wurde. Als ich nach Leipzig kam, hatte ich Erfahrungen in (zugegeben bayerischer) Landespolitik, in bundes- und europapolitischen Themen, zusammen mit anderen einen Bezirksverband aufgebaut und verschiedene lokale Organisationen betreut. Hier in Leipzig ging es genau mit diesen Themen weiter, auch wenn sich eine so „alte“ Partei deutlich von den Möglichkeiten in Oberfranken unterschieden hat. Leider hat das Alte auch sehr schnell meine Motivation gedämpft, lokal mitzumachen, daher habe ich mich auf Landes- und Bundespolitik beschränkt.

More borrowed money, more borrowed time.

Aber darüber will ich eigentlich gar nicht schreiben, das solte nur die Einleitung sein, die ist jetzt länger als das was kommt.

Backed in a corner, caught up in the race.

Mir geht es dieses Jahr zum ersten Mal so, das ich  mich nicht – direkt, im Vorfeld oder indirekt – an den Wahlkämpfen zu den Bundestagswahlen beteilige. Das hat verschiedene Gründe, die zum kleinen Teil in der Linkspartei, aber ehrlich gesagt zum großen Teil in mir selbst liegen.

Means to an end ended in disgrace.

Und ein Teil in Die Linke. ist der derzeitigen lokalen Führung und deren Stil geschuldet, meine Motivation zu mitzuwirken ist recht schnell bei Null gewesen. Das konnte von anderen Aktivitäten eine Zeit lang gut aufgefangen werden, aber irgendwann waren die Wochenende ohne dies schöner. Zur Zeit spiele ich lieber mit dem Kind, und bald mit den Kindern

Perspective is lost in the spirit of the chase.

Der wesentlich größere Teil liegt aber in mir selbst. Ich habe im Moment einfach besseres zu tun. Wenn ich das Leben jetzt mit dem Leben vorher vergleiche, sind die Wochenende zwar nicht so ausgefüllt, aber irgendwie besser, entspannter. Auf die kleinen täglichen Scharmützel, die  im realen Leben genauso stattfinden wie auf Mailinglisten habe ich schlicht keine Lust. Ich habe gesehen,

Ich weiß, welche Aufgaben so auf Abgeordnete und Vorstandsmitglieder zukommen und habe davor Respekt. Sicherlich fände ich aber schnell Anknüpfungspunkte, Themen gibt es genug.

Foreclosure of a dream.

Aus dem Grund – viele Themen – gibt es am Schluss doch noch ein endgültige Wahlempfehlung. Nicht nur für die Bundestagswahl sondern auch für alle sonstigen Wahlen: wählt einfach Die Linke. Das sorgt wenigstens dafür, das jemand unbequem nachfragt, bei den verschiedensten Themen. Opposition ist wichtig, egal wie die Regierung aussieht. Diese Opposition kann man vom Rest nicht erwarten, wenn es Spitz auf Knopf steht. Für weitere Ausführungen zum Thema bin ich für ein Getränk gern bereit.

Zitate aus: Megadeth „Foreclosure of a dream“,
auf: Countdown to Extinction. Capitol Records 1992,
Nr. 4