Es war ein gutes Fußballjahr für Leipzigs Fußballvereine. Aufstiege, Nicht-Abstiege, Nicht-Insolvenzen, was man halt so feiert. Einzig Chemie muss sich (wahrscheinlich) mit einem Abstiegsplatz in die Bezirksliga zufrieden geben. Bleibt zu hoffen, dass das dem Projekt keinen Abbruch tut, es ist ein wichtiges im Leipziger Westen. Ein Jahr Bezirksliga tut zwar weh, sollte aber machbar sein.

Die Spielgemeinschaft Leipzig-Leutzsch Sachsen Leipzig, in der Traditionslinie des FC Sachsen, konnte sich in der Landesliga halten, hat aber ganz andere Probleme. Die Traditionslinie. Der Stern steigt leider nicht auf.


Es war ein schlechtes Jahr für Leipzigs Fußballvereine. Abstiege, Beinahe-Insolvenzen, verschiedenste Animositäten zwischen den beiden Leutzscher Vertretern.

Einzig die Rasenballer dürfen sich über die Teilnahme am DFB-Pokal und den Aufstieg in die 3. Liga freuen. Chemie steigt leider / wahrscheinlich ab, die SG-LL bleibt in der Sachsenliga. Umgedreht wäre mir lieber gewesen, aber wer weiß wie lange es diesen Club noch gibt. Die Traditionslinie (siehe oben) schlägt vielleicht noch richtig durch.

Unschuldigen Fußball gibt es heute nur noch in den untersten Klassen, jenseits davon geht es immer um Geld. Und alle Sponsoren im Fußball hoffen, dass etwas vom Glanz des Spiels auf sie und ihre Produkte abfällt, um Image und Umsätze zu verbessern.
11 Freunde, Die Dose der Pandora.


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In ein gefülltes Fußballstadion zu gehen ist in Leipzig ja leider immer noch etwas besonderes. Ein Grund mehr für kleinen Reisen und Besuche, die sich immer auch mit Ligaspielen in Verbindung bringen lassen. In der abgelaufenen Saison hatte ich zwei all die Gelegenheit.

Am dreißigsten Spieltag war ich für einen Tag in Dortmund, nur um dort den BVB zu sehen. Die Stimmung im Stadion dort war schon bei meinem letzten Besuch großartig. Mit 30.000 Menschen mehr im Stadion ist aber noch mehr los, es ist noch lauter. Ligatechnisch waren an diesem Tag schon alle Messen gelesen, doch das Erlebnis war trotzdem sehr schön. (Der BVB wurde in der 50. Bundesligasaison zweiter).

Die gelbe Wand

Blick von der Haupt- auf die Südtribüne


Nur zwei Wochen später führten mich meine Wege wieder in ein Stadion des Ruhrgebietes, dieses mal  zum kleinen Nachbarn nach Bochum.

Panorama ReWirPower-Stadion

Dort konnte ich erleben, wie sich ein Aufstiegsaspirant die letzte Chance verspielte, ein Abstiegssaspirant seine Rettung feierte, Menschen Fake-Schnurrbärte tragen um dem Trainer zu huldigen. Immer noch wird dort vor den Spielen Grönemeyers Stadt-Hymne performt, aus zwanzigtausend Kehlen. Immer noch sehr schön. Der VFL Bochum ist am Ende doch nicht abgestiegen. Köln ist nicht aufgestiegen. Die zweite Liga ist noch keine 50 Jahre alt.


Ein Wehrmutstropfen bleibt nach dieser wunderschönen Saison, 90elf. Das (bisher) beste Fußballradio muss seine Übertragungen der Erst- und Zweitligaspiele einstellen, Lizenz verloren. Vor 90elf gab es nicht mal eine Lizenz. Adè, ihr schönen Nachmittage mit Konni Winkler und all den anderen, adè aller Sachverstand. Willkommen, schnöder Mammon.


iron-blogger-leipzig

Warum ich all das schreibe? In Leipzig gibt es die IronBlogger. Da bin ich doch dabei. Ich hatte schon seit längerem nach einer Motivation gesucht, mehr zu schreiben. Wenn es denn eine externe sein soll, bitte sehr.  Wer noch mitmachen will, kann sich hier informieren.


Wir lesen uns jetzt wieder öfter, versprochen. Oder trinken Bier, gemeinsam.

Das Problem, das schon der mittlerweile aufgelöste Verein 1. FC Sachsen Leipzig mit Teilen seines Publikums hatte, existiert weiter. Wir erinnern uns: das Auftreten einiger (vieler) Fans bei Spielen und im Umfeld des FCS war einer der Auslöser dafür, das ein nicht geringer Teil der Fans ausstieg und sich einem neuen Verein zuwandte – der damals wieder belebten BSG Chemie Leipzig.

Anyway, am letzten Samstag kam es zu einem Spiel zwischen der neu entstandenen SG Leipzig-Leutzsch gegen der Roten Stern im Rahmen des Sachsenpokals. Ich war nicht dort und offensichtlich war es besser so. Viel ist geschrieben worden in den letzten zwei Tagen, der Kommentar, der die Situation am besten zusammen fasst (für die SG LL) findet sich heute im Online-Kreuzer:

Und da steckt das wirklich Traurige und Frustrierende an diesem Fußballnachmittag: Das so offensichtliche Wegschauen und Weghören, das Nicht-Handeln, Nicht-Problematisieren, Nicht-Eingreifen. Hier wurde sich von offizieller Seite hinter der Maske des »Unpolitischen« versteckt, zugleich eine vermeintliche politische Offenheit propagiert und sich dabei vollständig der Verantwortung für das Geschehen entzogen.

Was mit Wegschauen und Weghören gemeint ist, zeigt dieses Video:

SG Leipzig Leutzsch vs. Roter Stern Leipzig „Engels“-Chöre from Go Jamal on Vimeo.

Alter Wein, nicht ganz so neue Schläuche…

Weiterführende Artikel:
Chemieblogger
die lokale Tageszeitung hat auch was
Kreuzer (Quelle für das og. Zitat)

Aus einem Facebook-Kommentar, der nicht verloren gehen soll:

Es ist doch deutlich radikaler, die Position des Antinationalisten total einzunehmen als sie nur umzukehren und auf eine bestimmte Nation zu projezieren. Oder: was ist jetzt an der englischen, französischen oder, mit Verlaub, israelischen Nationalidentitätseuphorie besser als an der deutschen, Geschichte hin oder her.
Für mich hat Fußball nichts mit Nationalismus zu tun. Die einzige Kritik, die geübt werden muss ist die an den homophoben Zuständen in den Teams, am versteckten Rassismus der Spieler, Verantwortlichen, Kommentatoren, an faschistischen Umtrieben der sogenannten Fans.
Dort noch den Schleier der Nation („wir“) draufzulegen ist genau der Fehler, den der fahnentragende Prolet macht – egal welche Fahne er gerade schwenkt. Gerade dieser Schleier ist es, der die ganzen sogenannten Fans wegschauen lässt von den Übeln der Welt, denn „wir“ oder „die“ haben ja gewonnen. Am Ende scheint es – der Presse nach – nur darum zu gehen, welche der beiden Regierungen ihr Sparpaket einfacher umsetzen kann, die britische oder die deutsche.
Was den spezifisch-deutschen Nationalismus angeht, gebe ich dir recht, dieser ist im hier besonders zu bekämpfen. Allerdings glaube ich nicht mehr, das er sich von einem spezifisch englischen, französischen oder italienischen Rassismus unterscheidet, im Gegenteil. Und das führt mich zu dem Urteil, das _jeder_ Nationalismus ein falscher Ansatz ist, deswegen verbitte ich mir bei Fußballschauen jeden Nationalbezug, schwarz-rot-gold, rot-weiß oder rot-weiß-blau – egal. Nationalismus stinkt in jedem Land.
Anders:
Jede, die sich hinstellt und sagt, es ginge wir gegen die, die oder die, „wir“ mögen doch bitteschön gewinnen, begeht doch schon den Fehler, eine spezifische Nation zu überhöhen.
Wir reden nochmal in 4 jahren, wenn sich hoffentlich Israel für die WM qualifiziert. Bis dahin merken: nicht jede These ist eine Antithese.