Karl Marx und seine Nachfolger gaben sich auffällig nüchtern und rational. Das lag wohl daran, dass die Kapitalismuskritiker damals als Romantiker und Träumer galten, als realitätsferne Wirrköpfe. Darauf reagierte man mit betont kaltschnäuziger und kühler Art. Diese Profilneurose führte zu Wortschöpfungen wie „real existierender Sozialismus“ oder die Überhöhung des „Marxismus“ zu einer „Wissenschaft“ – wenigstens in den Staaten, in denen das staatlich verordnet werden konnte.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob in dem Artikel in der brandeins ein Hohelied auf Pragmatismus und Nüchternheit gesungen werden soll, oder ob es eher um Stillhalten und Mitmachen geht. Vielleicht braucht es leidenschaftliche Nüchternheit, um die Welt zu verstehen, und im richtigen Moment nüchterne Leidenschaft, um sie zu verändern.

Die dazugehörige Schlüsselpassage findet sich in Marx’ und Engels’ Bestseller „Kommunistisches Manifest“ und lautet: „Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neu gebildeten veralten, ehe sie verknöchern können“ – und gleich anschließend erfährt man, wohin das führt: „Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.“

Aber wahrscheinlich ist es dann doch so, dass das verwechselt wird.

Ganzer Artikel

Braucht es wirklich eine positive Zukunftsaussicht, damit das kapitalistische System funktioniert? Das jedenfalls behauptet Cornelia Koppetsch in einem Interview mit dem SZ-Magazin.

Das aber ist die Voraussetzung für ein funktionierendes kapitalistisches System: dass die Beschäftigten ein Minimum an Zukunftssicherheit im Leben haben.

Die Einschränkung, die hier gemacht werden muss, lautet „funktionierendes, auf Demokratie basierendes kapitalistisches System“. Das es das nicht braucht für die kapitalistische Organisation der Produktionsmittel, das hat die Vergangenheit bewiesen, und das beweist die Gegenwart in China beispielsweise nur zu deutlich.

Ganzer Artikel

What is poverty? Can it be measured by income – or the lack of it – or is it a state of mind, asks social worker-turned-writer Bernard Hare, who grew up in a Yorkshire mining family. My father worked as a coal miner while my mother was a shop worker in a department store.

For the first 10 years of my life, I had little idea that we were poor. As far as I was concerned, we had warmth, love, shelter, enough to eat – except towards the end of the week sometimes, as most people got paid in cash on Fridays – and a safe community environment to run around and play in.

Poverty isn’t only about a lack of money and resources. The worst poverty is found when there is a lack of education, understanding, hope – liberty, fraternity, egality, as the French say. Even after being on strike for a year, without money, the miners never thought themselves in poverty, because they had each other.

It seems to me poverty is a state of mind. If you think you’re poor, you’re poor. If you think you’re rich, you’re rich.

Klick für das Original

Trauma des Zusammenpralls

 Warum töten islamische Fundamentalisten? Wer Linke fragt, wird meist mit der einfachsten aller Antworten abgespeist: Mit dem Islam hat das alles überhaupt gar nichts zu tun! Der Westen ist an allem schuld! Den sich auf den Islam berufenden Fanatismus von Al- Qaida bis IS erklären sich viele deutsche Linke gerne als Folge des westlichen Imperialismus, der den Nahen Osten militärisch angreift, ökonomisch ausbeutet und moralisch demütigt.

Klick für das Original

Ich behaupte ja immer wieder, das wir uns auf dem Weg in eine Ära des Neofeudalismus befinden. Politik, Sozialstruktur, sogar Architektur sprechen dafür, man sehe sich nur die Schießscharten der überall entstehenden Stadthäuser an.

„History never repeats itself, but from time to time, consciously or not, some influential men attempt to force us into the monstrosity of their imaginary time machines to try to reverse decades, and in the case of feudalism, almost a millenium of social progress.“

Klick für das Original

Dazu durchaus passend ist die Tatsache, Arbeit unsichtbar zu machen.

„Im globalisierten Kapitalismus spielt Offshoring eine bedeutende Rolle: Egal, ob es um das Auslagern von Produktion und Arbeit geht, um den Transfer von Devisen in weit entfernte Steueroasen oder um eine neue Art der Unterhaltungskultur in organisierten Tourismus- und Freizeitresorts…“

Klick für das Original