Schon komisch, das Leben, manchmal. Ich mein, ich habe ja schon viele Menschen kennengelernt. Ist ja auch nicht so, dass ich von mir behautpten könnte nicht neugierig zu sein, im Gegenteil. In den letzten Jahren habe ich gelernt, diese Neugier auf Menschen zu kanalisieren in eine Neugier auf Wissen, habe mich regelrecht zum Wissensspeicher gemacht, immer auf der Suche nach Neuem, denn Neugier und Wissen sind Schwestern, die sich selten vertragen.
Damit habe ich es geschafft, verträglicher zu werden. Anderen Menschen gegenüber. Denn die Befriedigung der Neugier bewirkte einen ähnlichen Zustand wie das Auslesen eines Buches: Nur die wirklich guten nimmt wann wieder aus dem Schrank, schaut noch einmal hinein. Bei den wenigen wirklich lesenswerten verfolgt man den Weg des Authors weiter, liest andere Dinge von Ihr oder Ihm, taucht ein in die Welt, die nur Authoren zu schaffen in der Lage sind.
Schlechte, uninteressante, mittelmäßige und quasi normale Bücher lege ich zur Seite. Bei Menschen lief das ähnlich, immer auf der Suche nach neuem fielen einige seitlich weg, waren nie mehr gesehen, nur in meiner Erinnerung blieben sie vorhanden. Kein schöner Wesenszug, ich weiß. Aber das hängt wohl an der Neugier, die zu bezähmen schwer ist.
Und was ist jetzt so komisch? Zum ersten Mal seit Jahren habe ich das lange verloren und vergessen geglaubte Verlangen, voll in die Neugier auf (einen) Menschen einzusteigen. Vielleicht kennt jemand das Gefühl aus der alten Zeit, als man das Telefon angestarrt hat, wartend, fast verzweifelnd. Obwohl das selten gut war, im Nachhinein. Mal sehen, wie die Welt reagiert auf den sanften Stubser.
(abgelegt unter: kryptische selbstgespräche ohne Sinn und Verstand)
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