Richard Stallmann hat davor gewarnt:

The ebook companies say denying our traditional freedoms is necessary to continue to pay authors. The current copyright system supports those companies handsomely, and most authors badly. We can support authors better in other ways that don’t require curtailing our freedom, and even legalize sharing.

Er spricht natürlich hauptsächlich von Amazon, aber auch andere Anbieter haben restriktive Nutzungsregeln und ich habe bisher keine Möglichkeit gefunden, diese zumindest auszuhebeln.

Ich nutze ein elektronisches Lesegerät mit Android installiert – und habe darauf neben der androideigenen Buch-App auch noch einen externen Reader – und Amazons Kindle-App.

Heilloses Durcheinander, drei verschiedene Wirkweisen… alles Mist.

Schlimmer wird das ganze nur, wenn man sich den Ebookmarkt in Deutschland anschaut. Ein Beispiel?

Inspiriert durch diesen Artikel von Adam Kirsch in „The new republic“ und durch meine Frankl-Lektüre wollte ich tiefer in das Thema einsteigen, und zwei der erwähnten Bücher lesen, „Capesius, der Auschwitzapotheker“ und „Das stille Sterben“ von Dieter Schlesak und Konrad Jarausch. Lieber in deutsch. Der Review ist, in Englisch, anlässlich einer erneuten Übersetzung beider Bücher erschienen. Die beiden Bücher sind 2006 (Schlesak) und 2008 (Jarausch) auf Deutsch erschienen.

Allerdings ist die Situation für ebooks in Deutschland wohl noch eher trist: ich hätte in beiden Fällen den Verlag informieren können, das ich das Buch gern als ebook hätte. Das war es.

In englischer Sprache sind beide Bücher verfügbar. Aber wo eine Novelle wie Schlesaks Buch noch lesbar und verständlich ist, sind Feldpostbriefe wie die Jarauschs eben doch – zumindest gefühlt – am besten in deutscher Sprache zu verstehen. Gern hätte ich beide Bücher gelesen und einen deutschen Verlag unterstützt. So wird das allerdings nicht.

Eine kleine Nebenbemerkung sei mir auch noch erlaubt: „The druggist of Auschwitz“ kostet bei Amazon zum Download 8,78 €, die gebundene (englische) Ausgabe 21,99 €. Die deutsche Ausgabe kostet 29,99 €. „Reluctant Accomplice“ schlägt im (englischen) Download mit 21,63 € zu Buche, die gebundene englische Ausgabe kostet 30,99 €, die gebundene deutsche 15,90 €.

Das soll ein Konsument verstehen. Da soll selbiger eine Entscheidung treffen. Ohne die nette Beratung im Buchladen, die einem diese Preis-Kakophonie erklären könnte.

PS: über Philip Roth’s „The plot against america“ möchte ich nichts sagen. Da es das dritte Buch aus dem Artikel war, habe ich es ohne groß zu schauen … im Internet gefunden.

Ich hoffe das Internet gibt uns bald bessere Möglichkeiten, ebooks zu verbreiten, möglichst so wie Stallmann das vorschlägt: ohne DRM, weitestgehend anonym, teilbar – und mit der Möglichkeit, die Autoren direkt zu unterstützen.

Erst las dich dies:

Die geteilte Erfahrung der ArbeiterInnen in der industriellen Produktion, und die daraus erwachsende solidarische Ausrichtung, ist in den letzten Jahrzehnten schwächer geworden. Das hat mit dem relativen Bedeutungsverlust der industriellen Produktion zu tun, es ist eine Folge der neo-liberalen Politik, die bewusst Momente und Instrumente der gelebten Solidarität zerstörte, aber ist aber auch eine Konsequenz aus einem tief-greifenden gesellschaftlichen Wandel, den man ganz allgemein als „Individualisierung“ bezeichnen kann. Ich werde darauf noch zurück kommen. (http://netzfueralle.blog.rosalux.de/2012/09/15/felix-stalder-digitale-solidaritat-keynote/).

Individualisierung. Hm.

Dann dies:

At these levels there is almost no profit margin left in the hardware business. A $45 tablet is cheap enough to be an impulse purchase at the check-out line in Best Buy. A $45 price puts tablets within reach of a whole host of other activities not traditionally associated with computers. Tablets could be used by waiters in restaurants. By mechanics in auto body shops. By every nurse in a hospital. By pretty much any category of work that today needs a computer but where PCs are too expensive to be deployed. These are also devices built entirely for commercial reasons, no government backing, no academic sponsor, no proof-of-concept. (http://venturebeat.com/2012/09/15/hardware-is-dead/)

Billige Tablets schwemmen in die Welt.

Zusätzlich beschäftigt mich gerade dieses Buch von Jody Ranck: Connected Health: How Mobile Phones, Cloud and Big Data Will Reinvent Healthcare

Jetzt denke ich über die Implikationen des Ersten Punktes (Individualisierung) in Zusammenwirkung mit dem Zweiten Punkt (ubiquitäre Mobilgeräte) auf die von Ranck beschriebenen Szenarien bezüglich Medizin- und Gesundheitspolitik nach. Schönen Nachmittag!

Ein beliebtes Thema der historischen Fiktion, schon seit geraumer Zeit, sogenannte „What if…“ Romane. Slavoj Zizek schreibt dazu:

Since the non-occurrence of the October Revolution is a favourite topic of ‘what if?’ historians, it’s worth looking at how Lenin himself related to counterfactuality. He was as far as he could be from any reliance on ‘historical necessity’. On the contrary, it was his Menshevik opponents who emphasised the impossibility of omitting one of the stages prescribed by historical determinism: first bourgeois-democratic, then proletarian revolution. When, in his ‘April Theses’ of 1917, Lenin claimed that this was the Augenblick, the unique opportunity to start a revolution, his proposal was at first met with stupefaction or contempt by a large majority of his party colleagues. But he had understood that the opportunity was provided by a unique combination of circumstances: if the moment wasn’t seized, the chance would be forfeited, perhaps for decades. Lenin was entertaining an alternative scenario: what if we don’t act now? It was precisely his awareness of the catastrophic consequences of not acting that impelled him to act.

(via)